Juni: Karma

by Carina Hilmar

Viele von uns kommen zum Yoga, weil wir auf der Suche sind. Vielleicht wollen wir mehr physisches Wohlbefinden erlangen, mehr Entspannung in unseren beschäftigten Alltag bringen, oder vielleicht suchen wir auch einfach nach einer Möglichkeit unseren Geist zur Ruhe zu bringen. Manchmal mag es aber auch sein, dass wir schlichtweg ein Gefühl des Suchens in uns spüren, ohne genau zu wissen nach was wir eigentlich suchen. Egal nach was wir suchen – wissentlich oder unwissentlich – nach einiger Zeit unserer Yoga Praxis werden wir feststellen, dass obwohl es uns physisch, mental und emotional vielleicht besser gehen mag – Yoga eigentlich soviel mehr als nur das ist.

Durch unsere Praxis erwacht in uns langsam das Wissen, dass es etwas Größeres als nur unser „kleines Ego“ Selbst gibt und dass wir tatsächlich mit diesem Größeren verbunden sind und ein wichtiger Teil von dieser Ganzheit sind. Vielleicht beginnen wir einen kleinen Ausschnitt von unserer wahren Essenz zu sehen und nach und nach entdecken wir langsam unser Dharma, das in uns, dass uns unsere Bestimmung gibt. Das, das uns in unserem Leben zur Handlung ruft. Die yogische Sichtweise erkennt, dass sobald wir unser Dharma leben, wir nicht mehr nach Anerkennung, Lob, Zustimmung oder materiellen Erfolg streben brauchen. Die Früchte unserer Arbeit – so zu sagen – werden mit anderen geteilt anstatt uns nur noch selber zu gehören. Und tatsächlich ist der einzige Zweck nach unserem Dharma zu handeln damit wir anderen dienen können.

In gewisser Weise kann das eigentliche Ziel des Yoga – das zur Ruhe bringen des Geistes, das Aufgehen in und die Erfahrung von Ganzheit – durch das Dienen anderer erlangt werden. Das ist die Bedeutung von Karma Yoga. Wenn wir anderen dienen, lassen wir von egoistischen Absichten und Verstrickungen los. Das „niedrige Selbst“ verliert das Bewusstsein von einem getrennten „Ich“, der Geist wird ruhig, da er nicht länger in Gedanken festhängt, wie wir bekommen können was wir wollen und wie wir die Welt, andere Menschen und uns selber nach unseren Vorstellungen richten können.

Die Bhagavad Gita, zum Beispiel, lehrt uns, dass Karma Yoga, das Yoga des selbstlosen Handelns die Identifikation mit Körper und Geist auflöst und wir beginnen uns mit der Ganzheit des Lebens zu identifizieren. Dadurch verlieren wir im Dienst zu andren unser begrenztes Selbst. Eine der schönsten Passagen in der Bhagavad Gita sagt uns, auf „die Früchte unserer Taten zu verzichten“, wenn Krishna seinem Schüler Arjuna erklärt:

Du hast das Recht, deine vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, aber du hast keinen Anspruch auf die Früchte deines Handelns. Halte dich niemals für die Ursache der Ergebnisse deiner Tätigkeiten, und hafte niemals daran, deine Pflicht nicht zu erfüllen.

Erfülle deine Pflicht mit Gleichmut, o Arjuna, und gib alle Anhaftung an Erfolg und Misserfolg auf. Solche Ausgeglichenheit wird Yoga genannt. (Die Bhagavad Gita 2:47 – 48)

Während diese Passage so reich an spiritueller Wahrheit ist, mag unser westliches Denken die Idee von selbstlosen Dienen verzerren. Wir sagen vielleicht, dass wir doch schon so viel geben: als Eltern, Kinder, Freunde, Arbeiter, Lehrer, etc, etc. Wir versuchen anderen zu helfen, für andere da zu sein, uns ihre Sorgen an zu hören, ihre Probleme zu lösen, Unterstützung an zu bieten in welcher Weise auch immer wir können und am Ende fühlen wir uns komplett „ausgebrannt“ weil wir so viel tun. Das ist aber keine Karma Yoga. Wenn wir wirklich Karma Yoga praktizieren, sind unseren Handlungen frei von Motiven und frei vom Streben nach einem gewissen Ergebnis.  Speziell wenn wir schon so viel für andere tuen, dass augenscheinlich nur den anderen zu Gute kommt, ist es einfach die Augen vor den eigenen egoistischen Absichten zu verschließen. Vielleicht suchen wir ja insgeheim Anerkennung, dadurch das wir so eine „gute Person“ sind. Auch wenn unsere Arbeit wirklich anderen hilft, ist es kein Karma Yoga wenn wir noch immer in die „Früchte unserer Arbeit“ investiert sind. Eine wundervolle Art den Geist von egoistischen Motiven zu klären und nicht in dem Endresultat unserer Handlungen verstrickt zu werden ist, etwas Gutes für jemanden zu tuen ohne das andere davon erfahren. Das ist Yoga „off the Mat“ in die Tat umgesetzt.

 

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