Februar: Bhakti Yoga

Eine der vielen Schönheiten des Yoga ist, daß es so viele verschiedene Ansätze gibt, die dem Charakter und der Stimmung jedes Einzelnen entsprechen. Einige Menschen nähern sich dem Leben intellektuell, sie brauchen und wollen lernen, lesen und “mentale” Klarheit finden. Yoga bietet ihnen Jnana Yoga – das Yoga der Weisheit und des Selbststudiums. Andere finden Erfüllung darin, anderen zu dienen, zum Beispiel Arzt oder Lehrer zu werden. Ihr Weg, so sagt Yoga, ist selbstloser Dienst – Karma Yoga. Hatha Yoga ist der Pfad durch den Körper. Das ist für den Athleten in uns, für diejenigen, die unter körperlichen Schmerzen leiden oder wählen, daß Bewegung ihr Weg zur Befreiung ist. Eine weitere Möglichkeit, sich dem Leben zu nähern, ist die des Herzens und der Hingabe – Bhakti Yoga ist die Antwort hier. Ursprünglich gab es diese vier verschiedenen Yoga-Pfade (Jnana, Bhakti, Karma & Hatha), die sich weiter in sieben Pfade aufgeteilt haben, auch manchmal als  “The Wheel of Yoga” bezeichnet (alle Details darüber findest du hier).

Diesen Februar, inspiriert vom Valentinstag, konzentrieren wir uns auf Bhakti Yoga

oft als der YOGA DER LIEBE bezeichnet.

Was ist Bhakti-Yoga?

Laut den Narada Bhakti Sutras ist Bhakti eine intensive Liebe zu Gott. Im Wesentlichen ist Bhakti Yoga die Kultivierung bedingungsloser spiritueller Liebe. Traditionell beinhaltet es die Hingabe an einen Guru oder eine Gottheit; durch den Akt des Gebens von Liebe, empfangen wir Liebe. Doch oft wird die Gottheit, der Guru, außerhalb von sich selbst gesehen. Ich möchte  immer wieder darauf hinweisen, daß es darum geht, letztendlich zu erkennen, dass dieser Guru direkt in uns ist; daß diese Liebe direkt in uns beginnt – der Anfang und das Ende ist, uns selbst zu lieben. Ultimativ ist es die tiefe Erkenntnis, daß wir göttlich sind, und daß wir von Gott sind. Die Erfahrung der Vereinigung entsteht durch die völlige Hingabe des eigenen Egos oder des eigenen Willens an das Höhere Selbst, oder an Gott, wie einige Ihn/Sie gerne nennen. Du kannst Ihn/Sie auch Natur, Universum, Quelle, höhere Macht nennen – was auch immer sich für dich gut anfühlt.

So wie wir unseren Körper auf der Yogamatte dehnen und ausstrecken, können wir unsere Fähigkeiten erweitern, um zu lieben und unsere Vorstellung davon “auseinanderziehen”, was Liebe wirklich ist. Jedes Mal, wenn wir uns verlieben, können wir diese Ausdehnung, diese Erhöhung spüren. Auch spüren wir, wie weh es tut, wenn sie endet. Die Fragen hier sind: Wie kann ich diese Liebe für den Rest meines Lebens nutzen? Und wie kann ich weitermachen, wenn es mir scheinbar gerade das Herz zerrissen hat, als es zu Ende ging? Anstatt die Liebe auf eine Person, eine Sache, ein Projekt, eine Aufgabe zu fokussieren – lehrt uns Bhakti Yoga, sie in allem zu finden: in einem Moment, in der Natur, in Tieren, in uns selbst. Wir expandieren. Jetzt gibt es eine Romanze mit dem Leben und uns selbst, die sich nicht mehr nur auf eine Person konzentriert.

Herzschmerz ist wie Dunkelheit. Die Erfahrung dieser Trennung lässt uns erkennen, was Liebe wirklich ist. So wie das hellste Licht am besten in der Dunkelheit zu sehen ist, so lässt uns dieser Schmerz die Liebe verstehen. Wenn wir die Liebe aus einer weitläufigen Perspektive betrachten, können wir vielleicht die Angst loslassen und nach einem Herzschmerz, anstatt uns zurückzuziehen und uns und andere zu bestrafen, offen bleiben und es wieder tun. Die Liebe ist reichlich vorhanden und uns geht sie nicht aus; es kann wehtun, ja, aber wir lernen und bewegen uns weiter und geben und bekommen mehr Liebe.

“Da du den Herzschmerz nicht überwinden kannst, umarme ihn! Wir alle wurden aus Liebe erschaffen, aber in dem Moment, als die Nabelschnur durchtrennt wurde, wurden wir in die Trennung hineingeboren, das ist es, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Herzschmerz ist nicht das Ende der Liebe. Es ist der Anfang.” Douglas Brooks

Wie praktiziert man Bhakti-Yoga?

Wie immer ist Yoga so praktisch und gibt uns klare Instrumente, um unser Herz zu finden und zu teilen.

Einer der vielen Wege zum Herzen ist das Lied, der Ton! Wir sind Schwingung! Klangschwingung – Musik – als der ewige Heiler. Schon wenn du deine Yogapraxis beginnst und “om” singst oder sie mit “namaste” endest – chantest du! Chanten öffnet unsere Energiekanäle für die Freude – es bringt uns zurück zu unseren ursprünglichen Qualitäten – zu unserem wahren Selbst – der Liebe. Das ist alles, was wir sind. Göttliche Liebe. Manchmal, wenn wir es im Kopf vergessen, verzweifelt an unseren Schmerzen festhalten oder uns in dem schwarzen Loch wohlfühlen – können uns Lieder & Vibrationen da heraus und zurück bringen. Eine Glocke, ein Gong, ein Gesang – ein Kirtan. Das gemeinsame Chanten zum Göttlichen verbindet uns miteinander, mit uns selbst und mit dem Universum. Es gibt uns oft ein ekstatisches Gefühl von Liebe und Freude.

An dieser Stelle möchte ich dich gerne zu unserem monatlichen Kirtan – unserem Bhakti Mantra Singen – einladen, um mit uns gemeinsam Liebe und Freude zu feiern – mehr dazu hier.

Gesänge bestehen aus Sanskritwörtern und Mantras. Eine Mantra wird gesprochen – es ist eine Schwingung, die von einem Klang & Wort umschlossen ist. Vibrationen können uns verändern. Wir verwenden Mantras während der Meditation oder auch während der Yoga-Asana-Praxis. Japa Mala ist ein weiteres Bhakti Instrument, bei dem man eine Mala (eine Halskette aus 108 Perlen) verwendet und die Mantra immer wieder wiederholt.

Die Kontemplation ist eine wichtige Begleitpraxis zur Hingabe. Wissen hilft uns, zwischen dem Ewigen und Unveränderlichen und dem Flüchtigen und Vergänglichen zu unterscheiden.

Aber Bhakti ist überall um uns herum, in jeder Handlung, in jedem Moment:.

  • Behandle andere, wie du gerne behandelt werden möchtest.
  • Sprich deine Wahrheit, tu was du sagst
  • Lebe global
  • Umarme die Natur und die Tiere
  • Übe regelmässig Yoga
  • Kümmere dich um dich selbst, z.B. durch kochen, versorge dich und andere damit
  • die Liste ist lang; ich lasse sie dich für dich weiter ausfüllen

“Durchtränke deine Handlungen mit Liebe, egal ob du deine Kinder zur Schule fährst, das Geschirr abspülst, an einem stressigen Job arbeitest oder deine Praxis machst. Indem wir lernen, unser hingebungsvolles Bewusstsein zu erweitern, können wir unser Leben so verändern, dass es von Frieden, Liebe, Freude und Harmonie erfüllt ist.”

Swami Rama

 

 

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