März: Resilienz

Nach den verheerenden Feuern in Australien, sprießen die ersten neuen Büsche und Bäume aus dem Boden. Es tut gut zu sehen, dass die Natur es schafft, sich zu regenerieren, sich zu erholen und selbst nach einem so schrecklichen Trauma wieder zu erstarken.

Resilienz, diese für die Natur so essenzielle Eigenschaft, findet sich auch in uns wieder. Und wir brauchen sie. Resilienz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie: „zurückspringen“. Es ist die „Fähigkeit eines Kindes aufgrund protektiver Faktoren relativ unbeschadet mit den Folgen belastender Lebensumstände umgehen und Bewältigungskompetenzen entwickeln zu können. .[1] Resilienz bedeutet, sich nach einem psychischen Trauma weiterzuentwickeln, wieder zu erstarken.[2]

Traumata und ihre Folgen

Ein Trauma kann durch so schreckliche Ereignisse wie Kriege, Attentate, Unfälle, schwere Krankheiten oder sexuelle Übergriffe auftreten. Doch es gibt auch chronische Traumata, die sich in der Kindheit entwickeln und schleichend voranschreiten können. Oftmals sind mangelnde Zuneigung, ein Mangel an Liebe oder soziale Deprivationen ausschlaggebend.

Die Folge: ein Traumagedächtnis. Unser Angst- und Stresszentrum, die Amygdala, vergrößert sich, während sich der, für die Kontrolle unserer Gefühle und Verhalten zuständige, präfrontale Kortex verkleinert. Wir fühlen uns ängstlicher und können unsere Gefühle weniger kontrollieren.

Liebe und Zuneigung: Der Nährboden für unsere Widerstandsfähigkeit

Was ist es, dass uns angesichts aversiver Umstände eine Widerstandskraft entwickeln lässt, die uns sprichwörtlich gestärkt aus einem Kampf hervorgehen lässt?

Neben hormonell bedingten Schutzfaktoren, wie einem erhöhten Anteil des oft als „Glückshormon“ bezeichneten Serotonin, spielt vor allem die Beziehung zu den Eltern während der Kindheit eine wichtige Rolle. Zuneigung und sensorische Stimulationen lassen uns selbstbewusster werden. Wir entwickeln die Fähigkeit, uns sowohl nonverbal als auch verbal mitzuteilen. Des Weiteren entwickeln wir unsere Bedürfnisse und Ängste auszudrücken, indem wir die Arme ausstrecken, wenn wir uns nach Wärme sehnen, oder weinen können, wenn wir Trauer empfinden.

Muladhara-Chakra[3]: Der Ort der ungetrübten Lebenskraft

Wärme und Herzlichkeit bilden die Wurzel für unser Werden. Im Wurzelchakra – dem Muladhara-Chakra(chakre=Energiezentrum) – können wir unser Urvertrauen wiederfinden. Die Verbindung zur Erde; die Erde, die uns immer trägt.

Die Energien des Muladhara Chakra sind zuständig für den Aufbau von Zellen, Blutkörper, Knochen und Zähne; aber auch für unsere Geschlechtsorgane und Vitalität.

Hier, an diesem Punkt, zwischen Anus und Geschlecht, entsteht unser körperlicher Wille zum Sein. Genährt wird dieser Wille, der Wille „Ja zum Leben“ zu sagen, von den ersten Beziehungen zu unseren Eltern. Erfahren wir Liebe, Wärme und Geduld, so sind wir gewappnet die Herausforderungen des Lebens anzunehmen – gestärkt aus belastenden Situationen hervorzugehen.

Die Yogapraxis hilft uns, diese Lebenskraft und Stärke wiederzufinden. Standpositionen erinnern uns daran, die Verbindung zu den Kräften der Erde zu spüren. Den Kontakt der Füße zum Boden bewusst wahrzunehmen, den „sicheren Boden“ unter den Füßen“ zu spüren.

Stabilität und Leichtigkeit

Bei all der Erdung dürfen wir die Leichtigkeit nicht vergessen. Während wir uns des sicheren Bodens vergewissern, können wir es wagen, uns zu entfalten, uns auszudrücken und leicht zu werden.

Sthira sukham asanam.

Patanjali erinnert uns in den Yoga Sutren (46 ) daran, wie wichtig es ist, geerdet, stabil und gleichzeitig leicht und aufgerichtet durchs Leben zu gehen.

Hindernisse werden uns auf unseren Wegen begleiten.  Doch wenn wir es wagen, das Vertrauen in unserer eigenen Urkraft wiederzufinden, dann werden wir bekräftigt aus herausfordernden und belastenden Situationen hervorgehen. Und auch wenn wir in unserer Kindheit wenig Liebe und Zuneigung erfahren haben, so besteht doch die Gewissheit, dass es eine Kraft gibt, die uns trägt. Eine Kraft, auf die wir uns verlassen können. Eine Ur-Kraft, die uns die Stärke gibt, „zurückzuspringen“.

Lasst uns diese Ur-Kraft nutzen, um alle Wesen auf dieser Erde, die sich in belastenden Situationen befinden, zu unterstützen. Um gemeinsam für das Gute einzutreten; um gemeinsam „Ja“ zum Leben zu sagen.

Geschrieben von: Daniela Hinderer

 

[1]https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/resilienz/56351

[2]Boris Cyrulnik (Neurologe, Psychiater & Psychoanalytiker) in einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin Spektrum über Resilienz: https://www.spektrum.de/news/resilienz-foerdern-wie-geht-das/1613232

[3]Yoga aktuell: April/Mai 2010


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