Dezember: Aparigraha

Aparigraha – Besitzlosigkeit

Aparigraha ist die Praxis der Besitzlosigkeit, des Nicht-Anhäufen oder auch, Nicht-Anhaften und ist ein Teil der Yamas, der ersten Stufe des achtgliedrigen Pfad des Ashtanga Yoga. Jede Stufe dieses Pfades bietet uns die notwendigen Werkzeuge den Geist zu stillen und mehr und mehr in unserer wahren Natur verankert zu werden. Nun mag die Frage aufkommen, was ein ruhiger Geist und der Weg des Yoga zu tun hat mit dem Nichtanhäufen von Dingen, die wir nicht wirklich brauchen und dem Loslassen von allen möglichen Abhängigkeiten, zum Beispiel von Menschen, Orten und Dingen.

Der Grund wieso es so wichtig ist die Praxis von aparigraha, sprichwörtlich, “nicht greifen von allen Seiten“, ganz früh auf unserem Yogaweg zu beginnen, ist einfach. Alles, an dem wir festhalten, entweder physisch in Form von materiellen Dingen, oder emotional in Form von starken Gefühlen (seien sie positiv oder negativ) anderen Menschen gegenüber, oder mental in der Form des Festhaltens von bestimmten Gedankenmustern und Glaubenssätzen, verlangt enorme Energie und nimmt Platz in uns ein. Unsere Energie so zu verbrauchen, haltet uns gefangen in allen möglichen Verstrickungen und stört unseren inneren Frieden, unseren angeborenen Sinn für Ruhe und Gelassenheit.

Also, passend für diese Zeit des Jahres, nehmen wir das Beispiel der scheinbar einfachen Handlung Weihnachtsgeschenke für die Familie zu kaufen. Die erste Entscheidung die es zu treffen gilt, ist, wer aller ein Geschenk bekommen sollte. Sogar dieser anfängliche Schritt kann den Geist schon ganz unruhig machen: „Nun, wenn ich Onkle John ein Geschenk gebe, dann sollte Tante Linda ja auch eines bekommen – aber ist stehe Onkle John ja viel näher, und noch dazu hat mir Tante Linda letztens Jahr ja auch nichts gegeben und ich weiß ja nicht einmal was sie überhaupt mag, …“ Das ist nur ein kleines Beispiel von den Gedankenvorgängen die sich abspielen mögen. Schafft man es nun über diese Hürde der Entscheidung, wem man aller ein Geschenk kauft und kann diese für sich rechtfertigen, dann gilt es sich als nächstes anzusehen, wie viel Geld man ausgeben möchte. Wie viel kann man sich leisten? Ist es fair mehr Geld für eine Person als eine andere auszugeben? Wie misst man, wieviel Geld angebracht ist aus zu geben und spiegeln die Kosten des Geschenkes wieder, wie sehr wir jemanden mögen?

Auch wieder diese Fragen kreieren nur Stress für den Geist und alles was man wollte, war einfach nur ein Geschenk kaufen. Aber haben wir überhaupt je innegehalten und uns gefragt, wieso wir überhaupt Geschenke kaufen? Wieso brauchen wir einen speziellen Grund, den Leuten die uns etwas bedeuten und die wir gerne mögen, ein Geschenk zu machen? Wieso machen wir jenen, von denen wir nicht einmal wissen, was sie überhaupt mögen, Geschenke? Und wieso fühlen wir uns verpflichtet materielle Dinge anzunehmen, die wir vielleicht nicht einmal brauchen und die irgendwo in einer Ecke landen und auf unbestimmte Zeit aufgehoben werden, nur weil wir es von „so-und-so“ bekommen haben?

Vielleicht machen wir solche Dinge aufgrund von mentalen Konzepten an denen wir festhalten und oft unwissentlich als Wahrheit akzeptieren oder als „so ist es halt“. Diese Ideen kreieren ganze Glaubenssysteme auf denen unsere Leben basieren und die uns davon abhalten unsere Wahrheit auszudrücken, und unser Leben danach auszurichten und stören so unseren inneren Frieden. Daher hat aparigraha auch damit zu tun, los zu lassen von solchen alten Ideen, die zu einem Großteil bestimmen, wer wir sind und wie wir uns in der Welt verhalten.

So stehen wir also vor der Notwendigkeit unsere Motive in jeder Situation zu hinterfragen und mit Klarheit durch unsere Leben zu gehen, wenn wir Entscheidungen treffen. Wie oft machen wir etwas, nur weil wir wissen, dass andere Menschen darauf in einer gewissen Weise reagieren? Nochmal zurück zu dem Beispiel der Weihnachtsgeschenke: Wir nehmen vielleicht etwas an, weil wir die andere Person nicht verärgern wollen. Aber was wäre, wenn wir tatsächlich jemand anderen verärgern? Was könnte passieren? Wir schaffen vielleicht eine unangenehme Situation, aber na und? Würde das uns unangenehm sein?

Also vielleicht ist der wirkliche Grund wieso wir jemand anderen nicht verärgern wollen, damit wir uns nicht unangenehm fühlen, was wiederum damit zu tun hat, dass wir so sehr daran hängen uns auf eine bestimmte Weise zu fühlen. Oft wollen wir uns einfach nur „gut fühlen“ aber auf der anderen Seite streben wir vielleicht auch immer nach Aufregung und Drama und schaffen somit vorsätzlich Konflikte und Verwirrung. Was auch immer unser Muster ist, die Yogapraxis erlaubt uns zunächst einmal zu realisieren, was wir überhaupt tuen, dann zu untersuchen wieso wir machen was wir machen und schlussendlich erlaubt sie uns, das alles los zu lassen, wenn wir dazu bereit sind. Denn grundsätzlich sind alle Dinge an denen wir haften – sei es ein Gedanke, ein Gefühl, eine andere Person, etwas Materielles – in einem komplizierten Netz von Verstrickungen und Verstörungen miteinander verbunden. Der wahre „Spirit“ und die Freude des Gebens- und auch des Empfanges – kann nur erfahren werden, wenn wir komplett frei von unterschwelligen Motiven handeln.

In diesem Sinne, mögest du  friedvolle und ruhige Weihnachts- und Feiertage genießen und in das neue Jahr starten, indem du von allem, was du nicht länger brauchen kannst, loslässt.

Namaste!

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